
Die Vertraulichkeitsvereinbarung, auf Englisch Non-Disclosure Agreement oder kurz NDA, ist ein Vertrag. Mit ihm verpflichtet sich ein Interessent, alle sensiblen Informationen aus dem Verkaufsprozess für sich zu behalten. Dazu gehören Zahlen, Kundenlisten, Rezepturen oder bestehende Verträge. Nutzen darf er sie nur für eine Frage: Will ich diesen Betrieb kaufen? Für nichts anderes.
Meist ist die NDA der erste Schritt, der unterschrieben wird. Und zwar bevor der Verkäufer vertrauliche Unterlagen herausgibt oder überhaupt den Firmennamen nennt. Bis dahin kennt der Interessent oft nur ein anonymes Exposé, eine Kurzbeschreibung ohne Namen. Erst mit der unterschriebenen NDA öffnet sich die Tür zu den echten Details.
Inhaltlich regelt die Vereinbarung mehrere Punkte: Was gilt als vertraulich? Wofür dürfen die Informationen verwendet werden? Und wie lange muss geschwiegen werden? Diese Geheimhaltungsdauer liegt oft zwischen zwei und fünf Jahren.
Ausserdem steht meist darin, dass alle Unterlagen zurückgegeben oder gelöscht werden müssen, falls der Kauf nicht zustande kommt. Manche Vereinbarungen enthalten zusätzlich eine Vertragsstrafe für den Fall, dass sich jemand nicht an die Geheimhaltung hält.
Am Ende schafft die NDA vor allem eines: Vertrauen. Sie erlaubt dem Verkäufer, offen über sein Lebenswerk zu sprechen, ohne Angst haben zu müssen, dass die Informationen in falsche Hände geraten. Genau darauf baut später der geschützte Datenraum auf, in dem die eigentlichen Zahlen liegen.
Für Unternehmensverkäufer
Für dich als Verkäufer ist die NDA vor allem Schutz. Dein Betrieb, deine Zahlen und deine Kundenbeziehungen sind wertvoll und sensibel. Mit der Vereinbarung stellst du sicher, dass ein Interessent diese Informationen wirklich nur zur Prüfung des Kaufs nutzt. Nicht, um dir als Wettbewerber Kunden abzuwerben. Und nicht, um einfach neugierig deine Zahlen abzugreifen.
Genauso wichtig ist die Diskretion nach aussen. Solange der Verkauf nicht sicher ist, sollen Mitarbeitende, Kunden und Lieferanten nichts davon erfahren, sonst entsteht schnell Unruhe. Deshalb gibst du vertrauliche Unterlagen und den Firmennamen erst frei, nachdem die NDA unterschrieben ist. So behältst du die Kontrolle darüber, wer wann was erfährt. Erst danach beginnt die eigentliche Due Diligence.
Für Unternehmenskäufer
Für dich als Käufer ist die NDA der Schlüssel zu den echten Informationen. Solange du sie nicht unterschrieben hast, bekommst du meist nur eine anonyme Kurzbeschreibung zu sehen. Mit deiner Unterschrift signalisierst du: Ich meine es ernst und gehe verantwortungsvoll mit dem um, was mir anvertraut wird.
Wichtig zu wissen: Eine NDA zu unterschreiben verpflichtet dich noch nicht zum Kauf. Du gehst keine Zahlungsverpflichtung ein und musst nichts entscheiden. Du sagst nur zu, die erhaltenen Informationen vertraulich zu behandeln. Lies die Vereinbarung trotzdem in Ruhe durch, besonders die Punkte zu Dauer und zu einer möglichen Vertragsstrafe. Im Zweifel lässt du dich kurz beraten.
Beispiel
Du interessierst dich für eine kleine Schreinerei, die du im anonymen Exposé entdeckt hast: ohne Namen, nur mit Region und ein paar Eckdaten. Du meldest dein Interesse, und der Verkäufer schickt dir zuerst eine Vertraulichkeitsvereinbarung. Du liest sie durch, unterschreibst und schickst sie zurück. Erst danach erhältst du Zugang zum digitalen Datenraum: den Firmennamen, die Jahresabschlüsse, die Kundenstruktur und weitere Unterlagen. So prüfst du in Ruhe, ob die Schreinerei zu dir passt, und der Verkäufer weiss, dass seine Informationen geschützt sind.
FAQ
Muss ich für die NDA etwas bezahlen?
Nein. Eine Vertraulichkeitsvereinbarung kostet dich in der Regel nichts. Du verpflichtest dich nur zur Geheimhaltung. Es geht um Vertrauen, nicht um Geld.
Bin ich nach der Unterschrift zum Kauf verpflichtet?
Nein. Mit der NDA sagst du nur zu, die erhaltenen Informationen vertraulich zu behandeln. Nach der Prüfung kannst du jederzeit absagen, ohne den Betrieb kaufen zu müssen.
Warum braucht es beim Kauf eines Betriebs eine NDA, beim Gründen aber nicht?
Wer neu gründet, startet bei null und hat keine fremden Geheimnisse zu schützen. Beim Kauf eines bestehenden Betriebs erhältst du dagegen Einblick in ein fertiges Unternehmen mit echten Zahlen, Kunden und Verträgen. Wer kauft statt gründet, übernimmt etwas Lebendiges. Genau diese sensiblen Informationen schützt die NDA, bevor sie dir offengelegt werden und du in den Datenraum darfst.
Wie lange gilt die Geheimhaltung?
Das steht in der Vereinbarung und liegt oft zwischen zwei und fünf Jahren. Auch wenn der Kauf nicht zustande kommt, musst du die Informationen für diese Zeit weiter für dich behalten.
Was passiert, wenn ich mich nicht an die NDA halte?
Ein Verstoss kann rechtliche Folgen haben. Viele Vereinbarungen enthalten eine Vertragsstrafe. Solange du die Informationen aber nur zur Prüfung nutzt und für dich behältst, musst du dir keine Sorgen machen.
Was muss ich nach dem Prozess mit den Unterlagen tun?
Kommt der Kauf nicht zustande, verlangt die NDA meist, dass du alle Unterlagen aus der Due Diligence zurückgibst oder löschst. Damit stellt der Verkäufer sicher, dass nichts bei dir zurückbleibt.
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