
Eigenkapital ist das, was übrig bleibt, wenn du vom gesamten Vermögen eines Betriebs alle Schulden abziehst. Gehören einer Bäckerei Backofen, Ladeneinrichtung und ein kleines Guthaben im Wert von 120.000 Euro, und stehen dem 40.000 Euro an Krediten gegenüber, dann beträgt das Eigenkapital 80.000 Euro. Dieser Teil gehört wirklich der Inhaberin. Niemand kann ihn zurückfordern.
Es gibt zwei Blickwinkel auf das Eigenkapital. Der erste betrifft den Betrieb selbst. Ein solides Eigenkapital ist ein Polster für schlechte Zeiten: Läuft ein Monat mal schwach oder muss eine Maschine ersetzt werden, fängt der Betrieb das aus eigener Kraft auf, statt gleich zur Bank zu müssen. Wer einen Betrieb kauft, schaut deshalb genau hin, wie viel eigenes Kapital drinsteckt. Das ist oft ein gutes Zeichen für Stabilität und hängt eng mit dem Substanzwert zusammen.
Der zweite Blickwinkel betrifft dich als Käufer beim Kauf selbst. Hier meint Eigenkapital das Geld, das du aus eigener Tasche mitbringst, etwa Erspartes, statt es dir zu leihen. Kostet ein Betrieb 200.000 Euro und bringst du davon 50.000 Euro selbst mit, sind das dein Eigenkapital. Der Rest wird über die Übernahmefinanzierung gedeckt.
Banken erwarten bei einer Finanzierung fast immer einen gewissen Eigenkapitalanteil, oft grob zwischen 10 und 30 Prozent des Kaufpreises. Der Grund ist einfach: Wer eigenes Geld einsetzt, trägt das Risiko mit, und das senkt das Risiko für die Bank. Ohne jedes Eigenkapital wird eine Finanzierung schwierig, weil die Bank dann allein das ganze Wagnis tragen müsste.
Ist dein Eigenkapital knapp, gibt es Wege, die Lücke zu schliessen. Ein Verkäuferdarlehen stundet einen Teil des Kaufpreises. Eine Bürgschaft gibt der Bank zusätzliche Sicherheit. Und ein Förderkredit bringt zinsgünstiges Kapital ins Spiel. Gerade bei kleinen Betrieben lassen sich so Übernahmen stemmen, die auf den ersten Blick unmöglich wirken.
Für Unternehmensverkäufer
Für dich als Verkäufer ist ein gesundes Eigenkapital in deinem Betrieb ein echtes Verkaufsargument. Es zeigt, dass dein Betrieb auf soliden Beinen steht und Rücklagen hat. Käufer und Banken sehen das gern, weil es die spätere Übernahmefinanzierung leichter macht.
Gleichzeitig lohnt es sich zu wissen, wie viel Eigenkapital dein Käufer voraussichtlich mitbringen kann. Fehlt ihm ein Teil, baust du mit einem Verkäuferdarlehen die Brücke und machst so deinen Verkauf überhaupt erst möglich.
Für Unternehmenskäufer
Als Käufer solltest du früh ehrlich prüfen, wie viel Eigenkapital du wirklich einbringen kannst: Erspartes, das du entbehren kannst, ohne dich völlig zu entblössen. Diese Zahl bestimmt, welche Betriebe für dich realistisch sind und wie stark du auf eine Übernahmefinanzierung angewiesen bist.
Ist dein Eigenkapital knapp, gib nicht auf. Ein Verkäuferdarlehen, eine Bürgschaft oder ein Förderkredit können den fehlenden Teil auffangen. Viele kleine Übernahmen gelingen genau über diese Kombination.
Beispiel
Anna will das kleine Nähatelier ihrer Nachbarin für 90.000 Euro übernehmen. Sie hat 20.000 Euro erspart, das ist ihr Eigenkapital, rund 22 Prozent des Kaufpreises. Die Bank finanziert daraufhin die restlichen 70.000 Euro, weil Annas Eigenanteil ihr genug Sicherheit gibt.
FAQ
Was ist Eigenkapital in einfachen Worten?
Eigenkapital ist das, was einem Betrieb nach Abzug aller Schulden wirklich gehört, also Vermögen minus Verbindlichkeiten. Beim Kauf meint es zusätzlich das eigene Geld, das du selbst einbringst, statt es zu leihen. Es ist eng mit dem Substanzwert verwandt.
Wie viel Eigenkapital brauche ich für eine Übernahme?
Banken erwarten meist grob zwischen 10 und 30 Prozent des Kaufpreises als Eigenkapital. Bei einem Betrieb für 150.000 Euro wären das also etwa 15.000 bis 45.000 Euro. Der Rest wird über die Übernahmefinanzierung gedeckt.
Was mache ich, wenn mir Eigenkapital fehlt?
Dann gibt es Wege, die Lücke zu schliessen: ein Verkäuferdarlehen, bei dem der Verkäufer einen Teil des Kaufpreises stundet, eine Bürgschaft als zusätzliche Sicherheit für die Bank oder ein zinsgünstiger Förderkredit. Oft lässt sich so trotzdem eine Finanzierung stemmen.
Warum wollen Banken überhaupt Eigenkapital sehen?
Weil du mit eigenem Geld im Spiel das Risiko mitträgst. Das senkt das Risiko für die Bank und zeigt, dass du es ernst meinst. Ohne jedes Eigenkapital müsste die Bank das ganze Wagnis allein tragen, und das machen die wenigsten mit.
Lohnt sich kaufen statt gründen, wenn ich wenig Eigenkapital habe?
Oft ja. Ein bestehender Betrieb bringt Kunden, Einrichtung und laufende Einnahmen mit, das gibt Banken mehr Sicherheit als eine Neugründung ohne Nachweise. Reicht dein Eigenkapital nicht ganz, helfen ein Verkäuferdarlehen oder ein Förderkredit, die Lücke zu schliessen. Kaufen ist damit oft leichter finanzierbar als bei null anzufangen.
Ist Eigenkapital dasselbe wie der Kaufpreis?
Nein. Der Kaufpreis ist der ganze Betrag für den Betrieb, dein Eigenkapital ist nur der Teil davon, den du selbst mitbringst. Beträgt der Kaufpreis 100.000 Euro und du bringst 25.000 Euro ein, ist das dein Eigenkapital. Die restlichen 75.000 Euro kommen aus der Übernahmefinanzierung.
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