
Das Multiplikator-Verfahren, auch Multiple-Verfahren genannt, gehört zu den gängigen Methoden der Unternehmensbewertung. Es multipliziert eine Finanzkennzahl mit einem branchenüblichen Faktor. Meist ist das das EBITDA, manchmal auch der Umsatz oder der Gewinn. Schnell, nachvollziehbar und nah am Markt.
Die Faktoren stammen aus tatsächlichen Verkäufen ähnlicher Unternehmen. Dein Betrieb wird also daran gemessen, was der Markt für vergleichbare Firmen gerade zahlt. Je nach Branche, Grösse und Ertragslage fallen die Multiplikatoren sehr unterschiedlich aus.
Gerade für kleine Unternehmen ist das Verfahren beliebt, weil es einfach und nachvollziehbar ist. Eine gründliche Bewertung ersetzt es aber nicht. Es liefert eine erste Orientierung und eine Bandbreite, in der sich der Unternehmenswert bewegt.
Die Rechnung ist simpel: Kennzahl mal Faktor. Wichtig ist eine bereinigte Kennzahl, also um Sondereffekte und einen marktüblichen Unternehmerlohn korrigiert. Bei kleinen, inhabergeführten Betrieben liegen die EBITDA-Multiplikatoren häufig im niedrigen einstelligen Bereich.
Ein Multiplikator ist immer ein Durchschnittswert. Dein Betrieb kann durch Besonderheiten mehr oder weniger wert sein als der Schnitt: eine besonders treue Stammkundschaft, langfristige Verträge oder eine ausgeprägte Inhaberabhängigkeit.
Für Unternehmensverkäufer
Für dich als Verkäufer ist das Verfahren nützlich, um schnell eine realistische Grössenordnung zu bekommen. Es zeigt dir, was der Markt für vergleichbare Betriebe zahlt, und schützt dich vor einer überzogenen oder zu niedrigen Vorstellung.
Verlass dich aber nicht allein darauf. Hat dein Betrieb Stärken, die der Durchschnittsfaktor nicht abbildet, solltest du sie belegen können. Ein gepflegter Kundenstamm oder ein stabiler Cashflow rechtfertigen oft einen höheren Faktor.
Für Unternehmenskäufer
Als Käufer hilft dir das Verfahren, einen geforderten Preis einzuordnen. Liegt er weit über dem branchenüblichen Multiplikator, frag kritisch nach, womit der Aufschlag begründet wird.
Prüfe, ob der verwendete Faktor wirklich zu Grösse und Risiko des Betriebs passt. Kleine, stark inhaberabhängige Betriebe werden mit niedrigeren Faktoren bewertet als grössere, stabile Unternehmen mit breiter Kundenbasis.
Beispiel
Ein Handwerksbetrieb erzielt ein bereinigtes EBITDA von 130.000 Euro. Bei einem branchenüblichen Faktor von 4 ergibt sich ein Wert von 520.000 Euro. Weil der Betrieb stark vom Inhaber abhängt, wird ein etwas niedrigerer Faktor angesetzt, und man nähert sich einem Wert um 470.000 Euro.
FAQ
Welche Kennzahl wird beim Multiplikator-Verfahren verwendet?
Meist das EBITDA, manchmal auch Umsatz oder Gewinn. Wichtig ist, dass die Kennzahl bereinigt ist, also um Sondereffekte und einen marktüblichen Unternehmerlohn korrigiert.
Wie hoch sind die Multiplikatoren bei kleinen Betrieben?
Bei kleinen, inhabergeführten Unternehmen liegen die EBITDA-Faktoren häufig im niedrigen einstelligen Bereich. Sie hängen stark von Branche, Grösse und Risiko ab und lassen sich nicht pauschal festlegen.
Ist das Multiplikator-Verfahren genau?
Es liefert eine schnelle Orientierung, aber keine exakte Bewertung. Weil es mit Durchschnittsfaktoren arbeitet, sollte es mit anderen Methoden wie dem Ertragswertverfahren kombiniert werden.
Hilft das Verfahren bei der Entscheidung kaufen oder gründen?
Es zeigt dir, was ein bestehender, ertragsstarker Betrieb am Markt kostet. So kannst du abwägen, ob sich der Kaufpreis gegenüber dem Aufwand und Risiko einer Neugründung lohnt.
Woher bekomme ich realistische Multiplikatoren?
Aus Erfahrungswerten zu tatsächlichen Verkäufen in deiner Branche. Berater, Treuhänder und Branchenverbände verfügen über solche Orientierungswerte. Wichtig ist, dass sie zu Grösse und Art deines Betriebs passen.
Warum ist ein niedriger Faktor nicht automatisch schlecht?
Ein niedriger Faktor spiegelt oft ein höheres Risiko wider, etwa eine starke Abhängigkeit vom Inhaber. Für einen Käufer kann das ein fairer Preis für ein realistisch eingeschätztes Risiko sein.
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