BIZZqui Glossar Unternehmensnachfolge: Unternehmensbewertung, EBITDA Multiples, Due Diligence – Fachbegriffe für Unternehmen verkaufen und kaufen DACH-Raum, Übersicht für Verkäufer Käufer

Ertragswertverfahren

Ertragswertverfahren

Das Ertragswertverfahren ermittelt den Unternehmenswert aus den nachhaltig erzielbaren zukünftigen Erträgen. Man schätzt, was der Betrieb Jahr für Jahr verdient, bereinigt diese Zahl um Sondereffekte und rechnet sie auf den heutigen Wert um. Es ist eine der gängigsten Methoden der Unternehmensbewertung für kleine Betriebe.
Dazu dient der Kapitalisierungszinssatz. Er drückt aus, welche Rendite ein Käufer für sein Risiko erwartet. Je höher das Risiko, desto höher der Zins und desto niedriger der Wert. Ein stabiler Handwerksbetrieb mit treuer Kundschaft wird anders eingestuft als einer, der an einem einzigen Grosskunden hängt.
Anders als der Substanzwert misst das Verfahren nicht, was vorhanden ist, sondern die Fähigkeit, künftig Geld zu verdienen. Bei kleinen Unternehmen wird es oft vereinfacht angewendet, etwa als Vielfaches des bereinigten Gewinns. Als Ertragsbasis dient häufig das EBITDA oder der bereinigte Jahresgewinn.
Die Grundrechnung ist einfach: nachhaltiger Jahresertrag geteilt durch den Kapitalisierungszinssatz. Verdient ein Betrieb dauerhaft 84.000 Euro und rechnet man mit 12 Prozent, ergibt das einen Ertragswert von 700.000 Euro. Entscheidend ist das Wort nachhaltig: Einmalgewinne, ein zu niedrig angesetzter Unternehmerlohn oder private Kosten in der Firma verzerren das Bild und gehören herausgerechnet.

Für Unternehmensverkäufer

Für dich als Verkäufer ist das Ertragswertverfahren meist die günstigere Methode, wenn dein Unternehmen gut verdient. Es honoriert, was du über Jahre aufgebaut hast: eine funktionierende, ertragsstarke Firma, nicht bloss ihre Einzelteile. So spiegelt der Unternehmenswert deine tatsächliche Verdienstkraft wider.
Entscheidend ist eine saubere Aufbereitung deiner Zahlen. Ein marktüblicher Unternehmerlohn, Sondereffekte und private Posten gehören klar getrennt. Diese Aufbereitung kann den ermittelten Wert spürbar verändern und lohnt sich fast immer.

Für Unternehmenskäufer

Als Käufer solltest du die zugrunde gelegten Ertragsprognosen kritisch prüfen. Vergangene Gewinne sind kein Versprechen für die Zukunft, besonders wenn viel an der bisherigen Inhaberin hängt: Kunden, Know-how, persönliche Beziehungen. Prüfe deshalb auch den Cashflow, denn er zeigt, was am Ende wirklich übrig bleibt.
Frag dich ehrlich, wie stabil die Erträge ohne den bisherigen Eigentümer wären. Ein hoher Ertragswert ist nur so belastbar wie die Annahmen dahinter. Im Zweifel rechnest du konservativer und prüfst den Wert zusätzlich über den Substanzwert gegen.

Beispiel

Ein Ingenieurbüro erzielt einen nachhaltig bereinigten Jahresertrag von 96.000 Euro. Bei einem Kapitalisierungszinssatz von 12 Prozent ergibt sich ein Ertragswert von 800.000 Euro. Weil ein grosser Teil der Aufträge an zwei langjährigen Kunden hängt, das Risiko also höher ist, einigt man sich am Ende auf 680.000 Euro.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Ertragswert und Substanzwert?
Der Substanzwert zählt zusammen, was an Vermögen vorhanden ist. Der Ertragswert misst, was der Betrieb künftig verdient. Bei gesunden, profitablen Unternehmen liegt der Ertragswert meist höher, weil ein Betrieb mehr wert ist als die Summe seiner Einzelteile.

Lohnt es sich, einen Betrieb zu kaufen statt neu zu gründen?
Das Ertragswertverfahren zeigt den Kern des Unterschieds: Ein bestehender Betrieb verdient ab dem ersten Tag, eine Neugründung erst nach einer Aufbauphase. Was du beim Kauf bezahlst, ist der Vorsprung, den dir ein eingespieltes, ertragsstarkes Unternehmen gegenüber dem Start bei null verschafft.

Wie hoch ist der Kapitalisierungszinssatz bei kleinen Unternehmen?
Das hängt vom Risiko ab und liegt bei kleinen Betrieben häufig im zweistelligen Prozentbereich. Je stärker ein Betrieb vom Inhaber abhängt, desto höher der Zins und desto vorsichtiger die Bewertung.

Reicht das Ertragswertverfahren allein für eine Bewertung aus?
In der Praxis kombinieren Fachleute meist mehrere Verfahren. Der Ertragswert zeigt die Verdienstkraft, der Substanzwert die vorhandenen Werte, das Multiplikator-Verfahren den Marktvergleich. Erst zusammen ergeben sie eine belastbare Bandbreite, über die am Ende verhandelt wird.

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