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Discounted Cash Flow (DCF)

Discounted Cash Flow (DCF)

Die Idee hinter dem Discounted Cash Flow, kurz DCF, ist überraschend menschlich. Ein Euro, den du erst in fünf Jahren bekommst, ist heute weniger wert als ein Euro in deiner Hand. Warum? Du könntest das Geld heute anlegen, die Inflation nagt daran, und in fünf Jahren kann viel passieren. DCF nimmt diese Alltagslogik und macht eine Bewertungsmethode daraus.
Beim DCF schaust du nicht auf den Gewinn in der Steuererklärung, sondern auf den freien Cashflow: das Geld, das nach allen Kosten und nötigen Investitionen tatsächlich übrig bleibt und entnommen werden könnte. Das ist ehrlicher. Es zeigt, was der Betrieb wirklich erwirtschaftet.
Diese künftigen Cashflows schätzt du für einige Jahre im Voraus, meist drei bis fünf. Für die Zeit danach setzt man oft einen sogenannten Terminal Value an: einen vereinfachten Restwert, der annimmt, dass der Betrieb auch danach weiterläuft.
So wird gerechnet: Jeder künftige Cashflow wird mit einem Diskontierungssatz „abgezinst“, also auf den heutigen Wert heruntergerechnet. Dieser Satz (bei grösseren Firmen WACC genannt) spiegelt das Risiko. Je unsicherer der Betrieb, desto höher der Satz, desto niedriger der heutige Wert. Ein Cashflow von 50.000 Euro in einem Jahr ist bei 10 Prozent Zinssatz heute rund 45.455 Euro wert.
Alle abgezinsten Cashflows plus der abgezinste Restwert ergeben zusammen den Unternehmenswert. Für kleine Betriebe ist DCF selten die einzige Methode. Aber es zwingt dich, ehrlich über die Zukunft nachzudenken statt nur in die Vergangenheit zu schauen.

Für Unternehmensverkäufer

Als Verkäufer ist DCF deine Chance, den Wert deiner Zukunftsaussichten sichtbar zu machen. Wenn du gerade einen neuen Standort aufgebaut oder einen Grosskunden gewonnen hast, zeigt sich das im Gewinn der letzten Jahre noch gar nicht. Im geschätzten Cashflow aber sehr wohl. Realistische, gut begründete Prognosen sind hier Gold wert.
Aber sei ehrlich zu dir selbst. Zu optimistische Zahlen fallen im Verkaufsgespräch auf, spätestens in der Due Diligence. Ein Käufer wird fragen, warum der Umsatz plötzlich steigen soll, wenn du selbst kürzertreten willst. Belege deine Annahmen mit Aufträgen, Verträgen oder klaren Trends. Dann wird aus einer Prognose ein glaubwürdiges Argument für deinen Preis.

Für Unternehmenskäufer

Für dich als Käufer ist DCF ein Werkzeug gegen böse Überraschungen. Du kaufst schliesslich nicht die Vergangenheit, sondern das, was der Betrieb dir künftig einbringt. DCF zwingt dich, genau hinzuschauen: Bleiben die Kunden auch ohne den bisherigen Inhaber? Welche Investitionen stehen an? Was bleibt am Ende wirklich übrig?
Nutze den Diskontierungssatz als dein Sicherheitspolster. Hängt der Betrieb stark an einer Person oder wenigen Kunden, rechne mit einem höheren Satz. Das drückt den Wert und schützt dich vor Überzahlung. So wird aus einem Bauchgefühl eine nachvollziehbare Zahl, mit der du selbstbewusst in die Preisverhandlung gehst.

Beispiel

Nehmen wir eine kleine Schreinerei. Du erwartest für die nächsten drei Jahre freie Cashflows von 60.000, 65.000 und 70.000 Euro. Der Diskontierungssatz beträgt 10 Prozent. Abgezinst ergibt das: 60.000 ÷ 1,10 = 54.545 Euro; 65.000 ÷ 1,21 = 53.719 Euro; 70.000 ÷ 1,331 = 52.592 Euro. Für die Zeit danach setzt du einen vereinfachten Restwert von 70.000 Euro pro Jahr an, geteilt durch den Satz: 70.000 ÷ 0,10 = 700.000 Euro, abgezinst auf heute (÷ 1,331) sind das 525.920 Euro. Zusammengezählt ergibt sich ein Unternehmenswert von rund 686.776 Euro. Das ist deine Verhandlungsbasis, nicht der fixe Endpreis.

FAQ

Was ist der Unterschied zwischen Gewinn und freiem Cashflow?
Der Gewinn steht in der Steuererklärung und enthält Buchungen wie die Abschreibung, die kein echtes Geld kosten. Der freie Cashflow zeigt, was nach nötigen Investitionen tatsächlich an Geld übrig bleibt und entnommen werden könnte. DCF nutzt den Cashflow, weil er ehrlicher zeigt, was du wirklich in der Hand hast.

Wie wähle ich den richtigen Diskontierungssatz?
Als Faustregel: je unsicherer der Betrieb, desto höher der Satz. Für einen stabilen Kleinbetrieb sind oft 8 bis 12 Prozent üblich, bei starker Inhaberabhängigkeit oder wenigen Kunden auch deutlich mehr. Der Satz ist kein exakter Wert, sondern dein Sicherheitspuffer gegen Risiko.

Lohnt sich der Kaufpreis, oder sollte ich lieber selbst gründen?
DCF hilft genau bei dieser Frage. Ein bestehender Betrieb liefert vom ersten Tag an Cashflow, Kunden und einen eingespielten Ablauf. Eine Neugründung braucht oft Jahre bis dahin. Rechne den DCF-Wert gegen den Kaufpreis: Liegt der Preis darunter oder gleichauf, kaufst du dir Zeit und Sicherheit, die eine Gründung nicht bietet. Liegt er deutlich darüber, verhandle oder schau weiter.

Reicht DCF allein für die Bewertung eines Kleinbetriebs?
Selten. Bei kleinen Betrieben nutzt man DCF meist zusammen mit einfacheren Methoden wie dem Ertragswertverfahren oder dem Multiplikator-Verfahren. DCF ist dann eher der Realitäts-Check: Passen die künftigen Cashflows zum aufgerufenen Preis?

Was ist dieser Terminal Value und warum ist er so gross?
Der Terminal Value ist der geschätzte Restwert für die Zeit nach deinem Prognosezeitraum. Weil ein Betrieb theoretisch unbegrenzt weiterläuft, macht dieser Restwert oft den grössten Teil des Werts aus. Deshalb solltest du hier vorsichtig und nicht zu optimistisch rechnen.

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